Freitag, 01. Januar 2021

Am Anfang...

Ich bin ein riesiger Fan des Universums! Das war ich schon immer! Sterne, Galaxien, Schwarze Löcher – all das finde ich seit ich denken kann wahnsinnig spannend.

Eine Frage aber treibt mich besonders um: Was war eigentlich vor dem Urknall?

Inzwischen kommt die Physik mit ihren Berechnungen ziemlich nah an den allerersten Anfang heran. Georges Lemaîstre (1894–1966), ein belgischer Theologe und Astrophysiker, gilt als Begründer der Urknall-Theorie. Aus der Rotlichtverschiebung im Universum leitete er ab, dass das Universum expandiert und es folglich am Beginn der Zeit – wenn man diese Bewegung rückwärts denkt – in einem einzigen „Uratom“ enthalten gewesen sein muss. Dieses „Uratom“ muss unfassbar heiß gewesen sein, bevor es durch einen großen Urknall auseinandergestoben ist und sich immer weiter verteilt hat.

Ganz am Anfang war das Universum 0,000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 01m groß.

Und auch den zeitlichen Anfang kann man beschreiben. Er liegt bei 0,000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 05s.

Und weiter? Tja. Das war’s. Hier endet alle Empirie. Weiter kommt die Physik nicht zurück. Wie sagt Harald Lesch, ein bekannter Astrophysiker: „Ein Anfang ohne Anfang, ein Tag ohne Gestern – was immer davor war, wir wissen es nicht. Wir können es noch nicht mal wissen“.

Die Theologie meint zu dieser Frage zumindest eine mögliche Antwort formulieren zu können. Sie führt Gott als „den Schöpfer“ ein. Thomas von Aquin nennt ihn den „unbewegten Beweger“ oder die „Ursache ohne Ursache“. Diese Idee gibt es schon sehr lange. Man muss nur die Bibel aufschlagen und mit dem Lesen beginnen: „Im Anfang erschuf Gott Himmel und Erde“, so lauten die ersten Worte des Alten Testaments (Gen 1,1). Gleich im zweiten Kapitel folgt der nächste Schöpfungsbericht. Beide Texte präsentieren, wie bereits viele Schöpfungsmythen zuvor, keine Fakten.

Sie bieten uns eine Vorstellung der Welt als von Gott geordnet und geschaffen an.

Aber, wie gesagt, wir wissen es nicht und können es nicht wissen.

Heute, zum Beginn dieses neuen Jahres 2021, schaue ich wieder in den Himmel, der sich mit seinen unzähligen Sternen über mir wölbt.

Ich frage mich: „Wo kommt alles her? Wo geht alles hin? Was wird in diesem Jahr mit mir, mit der Kirche, mit der Welt geschehen?“

Ich weiß es nicht.

Aber ich bin zuversichtlich – trotz allem.

Deshalb lese ich die Wort meines Lieblingsautors: „Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft zu leben.“

 

Anmerkungen gerne an sonja.haub@bistum-speyer.de