Mittwoch, 08. Juni 2022

Pilgern mit dem 9 Euro-Ticket zu den Passionsspielen – ein Erlebnisbericht

Die Nutzung des 9-Euro-Tickets an einem "langen" Wochenende ist ein Abenteuer. Der Besuch der Passionsspiele in Oberammergau ist ein Abenteuer. Luise Gruender hat sich an Pfingsten von Speyer auf den Weg nach Oberammergau gemacht und sich damit in gleich zwei Abenteuer gestürzt. Hier berichtet sie von ihren Erlebnissen und Eindrücken:

1. Tag

Pünktlich geht es am Samstag vor Pfingsten um 8.02 Uhr in Speyer los… der Zug ist gut voll, einige Frauen, die neben mir sitzen, machen wohl einen Tagesausflug und erzählen über neue Projekte der Jugendförderung… Die Fahrt endet schnell, denn bereits im Hauptbahnhof in Ludwigshafen muss der Zug getauscht werden. Deshalb sollen alle aus- und in einen neuen Ersatzzug einsteigen. Mit 8 Minuten Verspätung geht die Fahrt weiter. In Heidelberg steigen viele Soldaten in den Zug ein und reden untereinander über den Abschied ihrer Familien. Man merkt ihre traurigen Gedanken. Der Zug wird immer voller. Die Menschen stehen sehr eng in den Gängen. Ich denke jetzt nicht an Corona…

Leider wird auch die Verspätung immer größer: In Karlsruhe-Durlach angekommen sind es fast 20 Minuten. Bei der Einfahrt unseres Zuges auf Gleis 6b sehen wir noch den Anschlusszug auf Gleis 1. Daraufhin rennen über 50 Menschen gleichzeitig los, egal, was vor oder neben ihnen ist. Doch der Zug fährt an, als die am schnellsten Rennenden die Treppe hoch hechten. Pech gehabt! Ein lautes Raunen geht durch den Bahnhof.

Gut, wann fährt der nächste Zug nach Stuttgart? Laut App in einer Stunde, nein, stopp, da ist ein anderer in 30 Minuten. Das reicht für einen Kaffee. Dieser ist zwar teuer, schmeckt aber immerhin. Die Dame in der Bäckerei gerät in Stress, offenbar hatte nicht nur ich diese Idee. Der nächste Zug lässt auf sich warten, der Bahnsteig ist übervoll mit Menschen. Jetzt ist doch eine Stunde vorbei, offenbar war der andere Zug ausgefallen und wurde deshalb in der App nicht angezeigt, dafür aber auf dem Bahnsteig – vielleicht, um alle Wartenden bei Laune zu halten?!?

Egal, in Stuttgart angekommen, habe ich 30 Minuten Zeit bis zur Weiterfahrt nach Ulm. Zeit genug, um einen kurzen Abstecher ins „Stuttgart 21-Museum“ zu machen. Von der Dachterrasse hat man einen netten Blick auf die Baustelle, nach zeitnaher Fertigstellung sieht es allerdings nicht aus. In den Räumen sind zwei Führungen unterwegs, offenbar gibt es Informationsbedarf in der Bevölkerung.

Die Weiterfahrt nach Ulm ist voll, aber mir gelingt es erneut, auch dieses Mal einen Sitzplatz zu ergattern. Sogar die Unterhaltung passt: Ein Junggesellinnenabschied steigt ein. Es gibt Musik, ein Mini-Gläschen Sekt für alle Fahrgäste in der Nähe – auch für mich. Ich wünsche der Braut alles Gute, auf dass sie glücklich wird in ihrer Ehe. Auf der Strecke von Ulm nach München-Pasing ist der Zug dann so voll, dass viele, die noch einsteigen wollen, wirklich nicht mehr in den Zug passen und am Gleis zurückgelassen werden. Sie tun mir leid, genauso wie die Mitarbeitenden bei der Bahn.

In Pasing muss ich dann die Zugverbindung nehmen, die nach Seefeld/Tirol fährt. Einen Tag zuvor gab es auf dieser Strecke das große tragische Zugunglück mit vielen Toten. Ein Ersatzverkehr ist eingerichtet, alle Insassen reden davon.

In Murnau muss ich erneut umsteigen, um nach Oberammergau zu kommen. Es ist eine sehr idyllische Strecke, am Starnberger See entlang und durch Allgäuer Wiesen und Weiden. Nach 9,5 Stunden Zugfahrt komme ich schließlich gut in Oberammergau an.

Spontan gelingt es mir, ein Hotelzimmer zu finden. Zufrieden laufe ich durch den Ort. Die Komoot-App führt mich eine sehr schöne Strecke: Meine Abendrunde ermöglicht ein Gebet bei einer Kreuzigungsgruppe.

Angelockt durch den herrlichen Blick auf Oberammergau treffe ich auf eine Gruppe Studentinnen, die an der Ludwig-Maximilians-Universität in München Tiermedizin studieren. Wir reden bestimmt eine Stunde über Gott und die Welt. Dann müssen die Damen wieder in die Vorführung zurück – die drei Stunden Pause zwischen den beiden Teilen sind um – und ich laufe weiter den Grottenweg. In meinem Kopf arbeitet noch das Gespräch. Die Anfragen und Bemerkungen der Studentinnen zur Passion waren sehr gut. Auf dem Grottenweg haben Menschen überall an Wurzeln, Steinen oder Höhlen Engelfiguren abgelegt: Die Putten trauern, spielen Instrumente oder lächeln einen an. Zwischendurch findet sich auch ein Buddha oder ein Ganesha. Irgendwie bin ich unsicher, ob ich das kitschig oder fromm finden soll und erreiche so noch in Gedanken die Mariengrotte. Dort gönne ich mir ein paar Schweigeminuten und genieße den Blick auf die Felswand des Kofel. Die Grotte ist groß und liegt hinter dem Friedhof. Zahlreiche Kerzen brennen und Tafeln erinnern an Marias Hilfe und an das Stifterehepaar Schilcher. Aufgrund der Genesung der Ehefrau setzen sie um 1900 ihr Gelöbnis, eine Lourdes-Grotte zu bauen, in die Tat um. Der Wanderweg macht noch einige Schlaufen, bis ich endlich an der Ammer entlang wieder ins Dorf zurückkomme. Hier laufe ich am Geburtshaus von Ludwig Thoma vorbei und sehe das Museum von Oberammergau.

Wenn morgen Zeit ist, sollte ich es auf jeden Fall besuchen. Langsam grummelt mein Magen und ich halte Ausschau nach einem leckeren Abendessen. Ich finde eine nette Terrasse, sie gehört zu einem mexikanischen Restaurant. Das Essen ist gut und weil Pfingsten ist, erhält jeder Gast eine Erdbeer-Margaritha. Interessant, vielleicht weil das Getränk rot ist… Egal, ich genieße das kleine Glas gerne und mache danach noch einen abendlichen Spaziergang durch Oberammergau. Spontan könnte es eher Weihnachten sein als Pfingsten, denn überall in den Schaufenstern leuchten Lichterketten und wunderbare Holzgrippen. Die zahlreich aus der Vorstellung strömenden Amerikaner und Spanier kommentieren alles mit „it´s so beautiful“ oder „que adorable“. Gleichzeitig wird mir klar, woran man einen einheimischen Oberammergauer erkennt: Er grüßt immer alle freundlich, er trägt sehr langes Kopf- und Barthaar und man versteht ihn nur, wenn er sich und ich mir viel Mühe gebe. Alle Schauspieler gehen oder radeln jetzt nach Hause. Auch ich bin müde und genieße mein Bett in Vorfreude auf den morgigen Tag mit den Passionsspielen.

2. Tag

Um 6 Uhr wecken mich die Kirchenglocken der Pfarrkirche „St. Peter und Paul“, die quasi direkt neben meinem Zimmer steht. Gerne stehe ich auf und laufe zum benachbarten Bäcker, um mir ein belegtes Brötchen und einen Kaffee zu holen. An der Ammer entlang laufe ich los, um im Kloster Ettal den Pfingstgottesdienst zu feiern. Die Komoot-App jagt mich den Berg hinauf. Der Vorteil: Eine wunderschöne Aussicht, der Nachteil: Es ist Gewitter angesagt und die Bäume biegen sich ordentlich im Wind. Sollte es jetzt anfangen zu regnen, dann werde ich richtig nass… Aber Petrus hat ein Einsehen und ich komme trocken in dem im Jahr 1330 gegründeten Benediktiner-Kloster an.

Dort ist alles auf Bier eingestellt, hoch gestapelte Kästen stehen direkt neben der Kirche. Ein großer Bier-Pavillon thront vor dem Haupteingang, Plakate laden ins Brauereimuseum ein.

Der Abt hält ein Pontifikalamt. Die Predigt passt zum Barock der Kirche, mich fesselt das Gnadenbild im Hochaltar. Der Legende nach überreichte ein Engel dieses Bild an Kaiser Ludwig IV., den Bayern, als dieser in Rom weilte. Der weiße Marmor zieht meine Blicke an. Aus dem Klosterladen nehme ich mir einen Heu-Likör mit, der soll etwas Besonderes sein und laufe auf der anderen Uferseite der Ammer weiter. Überall gibt es Spannendes zu entdecken.

Ich bin auf dem Meditationsweg Ammergauer Alpen. Dieser führt mich direkt ins Ortszentrum von Oberammergau, wo ich meine Karte für die Spiele kaufe. Ich investiere 60 Euro am offiziellen Ticketschalter, nachdem mir zwei Herren gerne teurere Karten verkaufen würden, die sie selbst nicht wahrnehmen können. Sie wollen dafür den Orginalpreis, der mir zu hoch ist. Schnell gehe ich ins Hotel, um mich frisch zu machen und laufe dann zum Festspielhaus. Dort besichtige ich nach einer strengen Einlasskontrolle (Tasche und Körper) die Ausstellung zur Geschichte der Passionsspiele. Interessant, denn hierbei wird deutlich, wie viele Aufs und Abs es während der fast 400 Jahre währenden Passionsspielzeit gab.

Außerdem kaufe ich mir ein Textheft, in der Angst, vielleicht nicht alles in meiner vorletzten Reihe zu verstehen. Diese Angst stellt sich schnell als unbegründet raus, allerdings hilft der Text beim Verstehen des Chores. Das ist insofern gut, denn während der Chorpassagen werden immer Einschübe aus dem Alten Testament mit den aktuellen Szenen aus Jesu Leben in Verbindung gebracht. Alle gesprochenen und gesungenen Texte sind aber sonst sehr klar zu verstehen, nur beim Chor hatte ich meine Schwierigkeiten.

Pause ist nach dem letzten Abendmahl, bzw. nach der Szene am Ölberg. Die drei Stunden des ersten Teils waren sehr schnell um. In dieser Zeit ging auch ein sehr kräftiges Gewitter nieder, aber alle blieben trocken, Schauspieler, Musiker sowie die Zuschauer. Das Dach ist stabil und schützt offenbar gut.

Jetzt in der Pause regnet es immer noch. Deshalb gehe ich sofort wie geplant ins Oberammergauer Museum. Eine sehr gute Entscheidung. Das Haus ist verhüllt von einer Wand aus Stoff. Der Mann an der Kasse erklärt mir, dass es der Stoff der alten Kostüme der Vorstellungen von 2000 und 2010 ist. Er zeigt mir außerdem einen Leitfaden. Dieser besteht aus den abgeschnittenen Haaren der Schauspieler*innen nach der Passion. Der gesponnene Faden hat je nach Abschnitt verschiedenste Farben: Rot, blond, schwarz, braun oder grau.

Im Museum selbst werden alle alten Ausstellungsstücke modern präsentiert: Von der Lill-Krippe (Darbringung im Tempel, Beschneidung Jesu, Flucht nach Ägypten, Kindermord von Betlehem, Haus Nazareth, der zwölfjährige Jesus im Tempel, Hochzeit von Kana, Auferstandener) bis hin zum Kruzifixzimmer. Es gibt viele Heiligenfiguren, einige davon werden eingepackt präsentiert, die Ausstellung heißt: „(IM)MATERIELL – Stoff, Körper, Passion“ ein spektakuläres Gesamtkunstwerk aus Gebäude-, Rauminstallation und Ausstellung. Dabei sind eine Jesus-Darstellung mit übergroßen Bluttropfen, mit Licht angestrahlte Planeten, die das Universum zeigen. Motto ist: „Der Austausch zwischen Menschen ist (im)materiell.“ Oder „Unsere Zeit in diesem Körper ist begrenzt.“ Wir sind alle miteinander verbunden. Die Erlösung wird als Kurzfilm im Dachgeschoß gezeigt: Eine Figur steigt in den Himmel auf.

Auch die „Stoffwand“ setzt sich im Innenbereich fort und zeigt Kleidung unterschiedlich beleuchtet. Am Ende der Ausstellung erhält jeder Besucher ein kleines Stück Stoff der alten Volksgewänder als Symbol für den (im)materiellen Austausch und die Gemeinschaft zwischen Menschen: Erlösung funktioniert nur, wenn man etwas gibt.

Leider regnet es immer noch. Die Restaurants sind alle völlig überfüllt, die Außenbereiche sind nass und leer. Deshalb hole ich mir beim Italiener eine Pizza „to go“ und bringe sie in mein Hotelzimmer. Dazu gibt es ein kaltes Ettaler Bier aus dem Automaten – welch eine Idylle, aber immerhin praktisch. Satt gehe ich zurück zum Festspielhaus.

Im zweiten Teil fehlt mein rechter Sitznachbar. Ich entdecke ihn weiter vorne auf vormals freien Plätzen. Die Vorstellung am Pfingstsonntag ist fast ausgebucht, de facto war es auch ein Pfingstsonntag, als zum 1. Mal das „Spiel vom Leiden, Sterben und Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus“ mit 60-70 Darstellern im Jahr 1634 aufgeführt wurde.

Mit meinen Nachbarn auf der anderen Seite entwickelt sich ein nettes Gespräch, sie geben mir eines ihrer Operngläser, sie haben drei Stück dabei. Um einen genaueren Blick auf den leidenden Jesus und das wirklich mit Liebe gestaltete Bühnenbild zu werfen, ist es nicht schlecht.

In die Leidensgeschichte Jesu sind diverse Szenen aus dem Alten Testament eingebunden: Daniel in der Löwengrube, die Verspottung des Hiob, Kain und Abel, Moses vor dem Pharao, Joseph deutet Pharaos Traum, Isaaks Opferung auf dem Berg Moria und die Rettung durch den Aufblick zur ehernen Schlange. Wer die Geschichten kennt, kann der Handlung gut folgen.

Die Inszenierung halte ich für sehr gelungen, die Musik ist eher schlicht, sie stammt aus den Jahren 1811 bis 1820, also Spätklassik oder Frühromantik und wurde von dem Oberammergauer Schullehrer Rochus Dedler komponiert, 1950 von Prof. Eugen Papst bearbeitet und seit 2000 neu revidiert und erweitert von Markus Zwink. Im Ganzen hat es ein wenig den Charakter eines Oratoriums.

Das Idee für das Passionsspiel geht auf ein Gelübde zurück, als im Jahr 1633 die Pest wütete. Die Menschen suchten Zuflucht im Gebet und gelobten: „Wenn das Sterben aufhört, spielen wir alle zehn Jahre das Spiel vom Leiden, Sterben und der Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus.“ Nur sehr selten in der Geschichte wurden die Spiele verschoben, bzw. durften nicht stattfinden. Das zeigt sehr schön die Ausstellung im Foyer des Festspielhauses.

Nach einem bewusst nur sehr kurzen Applaus und ohne Verneigung der Spieler – es ist ja eine Passion und kein Schauspiel – gehen alle Besucher schnell und doch ruhig nach Hause. Es regnet immer noch.

3. Tag

Gemütlich schlafe ich aus. Dieses Mal wecken mich die Glocken erst um 7 Uhr. Nachdem ich meine Sachen gepackt habe, beim Bäcker etwas Reiseproviant mitgenommen habe, starte ich am Pfingstmontag mit dem Zug um kurz nach 8 Uhr.

Die wunderschöne Alpen-Landschaft zieht an mir vorbei. Je weiter die Reise geht, desto voller werden die Züge. Zwischen Augsburg und Ulm gibt es wirklich keinen freien Winkel mehr. Wer an Platzangst leidet, sollte das 9-Euro-Ticket meiden…

In dem neuen Zug ab Ulm geht dann gar nichts mehr. Die Schaffner versuchen verzweifelt für Ordnung zu sorgen. Vergeblich! Die Bundespolizei wird gerufen und nimmt eine „Teilräumung“ vor. Alle, die im Türbereich stehen, müssen raus. Mit 19 Minuten Verspätung geht es dann los nach Stuttgart.

Insgesamt sind die Leute alle entspannt, zumindest die, die einen Sitzplatz im Zug haben, ich gehöre dank meiner Technik, immer in den ersten oder letzten Zugteil einzusteigen, dazu.

In Stuttgart ist der Anschlusszug natürlich weg, wir haben inzwischen eine halbe Stunde Verspätung.

Genau auf dem Gleis gegenüber steht ein Zug in Richtung Karlsruhe, wohin ich ja möchte. Er ist richtig leer und keine Menschenmassen wollen einsteigen: Finde den Fehler! Richtig: Es ist ein IC, den ich mit meinem 9-Euro-Ticket nicht nutzen darf.

Also bleibe ich auf dem Gleis stehen. Der danach einfahrende Zug ist ein Nahverkehrszug, deshalb hat er auch wieder Verspätung und ist voll. Begründung dieses Mal: Unterstützung beim Ein- und Ausstieg, bzw. Gleiswechsel. Nach so vielen Zügen mit Verspätung bin ich begeistert, wie viele Verspätungsmöglichkeiten es bei der Bahn gibt.

Irgendwann fährt der Zug dann doch los und die Fahrt endet in Karlsruhe-Durlach.

Als Experiment nehme ich hier die Straßenbahn, bzw. S-Bahn nach Germersheim. Es gleicht einer Stadtrundfahrt durch Karlsruhe. Immerhin ist der Zug leer, klimatisiert und pünktlich, dafür hält er alle paar Meter. Zum 1. Mal fahre ich die unterirdische Strecke unter der Innenstadt entlang. Es wirkt sehr großstädtisch.

In Germersheim wartet auch schon der Anschlusszug, der richtig leer ist und bleibt. Was ist los? Die Antwort erhalte ich bei meiner Ankunft in Speyer. Während ich aussteige, steigen Massen von Menschen in den Zug ein. Das Spiel könnte von vorne beginnen, aber ich mag jetzt nicht mehr. Stattdessen freue ich mich über mein gelungenes Pfingsterlebnis.

Der Heilige Geist hat mir viele inspirierende Gedanken geschenkt. Ein Zitat ist mir dabei besonders im Kopf:

Der allererste Absatz der Confessiones, in dem Aurelius Augustinus den Lobpreis Gottes anstimmt. Hier ist von einem "cor inquietum", also einem unruhigen Herzen die Rede. Im Original heißt der Satz: „tu excitas ut laudare te delectet, quia fecisti nos ad te et inquietum est cor nostrum donec requiescat in te.“ In der Übersetzung von Wilhelm Thimme heißt das auf deutsch: „So beglückt es ihn [den Menschen], dich zu preisen, denn zu dir hin hast du uns geschaffen, und unruhig ist unser Herz, bis es ruhet in dir.“

Das passt zu meiner kleinen Pilgerreise und auch zum Besuch der Passionsspiele. Wer noch darüber nachdenkt, ob es sich wohl lohnt, extra dafür nach Oberammergau zu fahren: Ja, es lohnt sich, fahrt hin, besucht die Passion, das Museum, den Ort, Kloster Ettal.

Ich habe es jedenfalls nicht bereut, ob es das 9-Euro-Ticket sein muss, das weiß ich nicht, aber man bekommt so auf dem Weg eine Menge mit von den Menschen: Ihre Nöte, ihre Sorgen und Ängste. Aber auch viel Schönes, nette Gespräche, liebevolle Gesten und hoffnungsvolle Momente. Letztlich hängt es an der Haltung und an der Einstellung, mit der ich unterwegs bin. Eine Postkarte, die es in Oberammergau zu kaufen gab, fasst es ganz weltlich zusammen:

Keiner von uns kommt lebend hier raus.
Also hört auf, Euch wie ein Andenken zu behandeln.
Esst leckeres Essen.
Spaziert in der Sonne.
Geht auf den Berg.
Springt ins klare kalte Wasser.
Seht die Steine auf dem Weg.
Sagt die Wahrheit und tragt Euer Herz auf der Zunge.
Seid albern.
Seid freundlich.
Seid komisch.
Für nichts anderes ist Zeit.

 

Luise Gruender
Pastoralreferentin der Katholischen Hochschulgemeinde Landau/Germersheim/Speyer

Den Bericht mit weiteren Bildern finden Sie hier.