Freitag, 02. Dezember 2022

Verheißungen

Biblisch betrachtet ist die Adventszeit berühmt für ihre wunderbaren Texte im Ersten Testament. An jedem Adventssonntag stehen große Hoffnungen und blühende Verheißungen im Zentrum. Sie sind schon uralt und beschreiben doch immer noch das, was uns Menschen besonders am Herzen liegt: Frieden, Gerechtigkeit, Lebensfreude…
Die Menschen damals glaubten, dass all die Hoffnungen mit der Ankunft eines Messias, eines Erlösers, erfüllt werden. Manche, unsere jüdischen Geschwister, warten noch auf ihren Messias. Wir Christ*innen glauben, dass mit Jesus Christus der Messias schon da war. Wir stehen nun in der Spannung, dass das Himmelreich und damit die Verheißungen zwar mit ihm schon angebrochen sind, aber noch nicht vollständig eingelöst wurden. Es ist unsere Aufgabe, dabei zu helfen, dass die Verheißungen Wirklichkeit werden.
Darum begehen wir jedes Jahr den Advent und feiern Weihnachten. Nicht, um die Geburt des Kindes nachzuspielen und uns zu erinnern, sondern um sie in die Gegenwart zu holen. Weihnachten ist für uns ein Vergegenwärtigungsfest, das uns Mut machen soll, immer wieder für Frieden, Gerechtigkeit und Lebensfreude einzutreten.
Die Texte aus dem Ersten Testament erinnern uns im Advent an diese Mission. Denn letztlich sind wir Menschen dafür verantwortlich, dass Gottes großer Friede wirklich auf Erden anbrechen kann. Gerade in diesen Tagen sollten wir uns daran erinnern.

Er wird Recht schaffen zwischen den Nationen
und viele Völker zurechtweisen.
Dann werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen umschmieden
und ihre Lanzen zu Winzermessern.
Sie erheben nicht das Schwert, Nation gegen Nation,
und sie erlernen nicht mehr den Krieg.

(Jes 2,4; aus der Lesung zum 1. Adventssonntag)

Gerechtigkeit ist der Gürtel um seine Hüften
und die Treue der Gürtel um seine Lenden.
Der Wolf findet Schutz beim Lamm,
der Panther liegt beim Böcklein.
Kalb und Löwe weiden zusammen,
ein kleiner Junge leitet sie.
Kuh und Bärin nähren sich zusammen,
ihre Jungen liegen beieinander.
Der Löwe frisst Stroh wie das Rind.
Der Säugling spielt vor dem Schlupfloch der Natter
und zur Höhle der Schlange streckt das Kind seine Hand aus.

(Jes 11,5–8; aus der Lesung zum 2. Adventssonntag)

Jubeln werden die Wüste und das trockene Land,
jauchzen wird die Steppe und blühen wie die Lilie.
Sie wird prächtig blühen
und sie wird jauchzen, ja jauchzen und frohlocken.
Die vom Herrn Befreiten kehren zurück
und kommen zum Zion mit Frohlocken.
Ewige Freude ist auf ihren Häuptern,
Jubel und Freude stellen sich ein,
Kummer und Seufzen entfliehen.

(Jes 35,1–2a.10; aus der Lesung zum 3. Adventssonntag)

Darum wird der Herr selbst euch ein Zeichen geben:
Siehe, die Jungfrau hat empfangen,
sie gebiert einen Sohn
und wird ihm den Namen Immanuel
– Gott mit uns – geben.

(Jes 7,14; aus der Lesung zum 4. Adventssonntag)

 

Sonja Haub
Bildungsreferentin Katholische Erwachsenenbildung Pfalz