Mittwoch, 25. Mai 2022

Altkatholisch – kurz erklärt!

Der Wechsel Andreas Sturms zur altkatholischen Kirche hat in den letzten Tagen die Gemüter im Bistum Speyer bewegt. Was ist aber die altkatholische Kirche, in der er nun Mitglied sein wird?

Hier einige Fakten:

  • Die altkatholische Kirche ist nicht – wie es ihr Name vermuten lassen könnte – traditionalistisch oder rückwärtsgewandt. Ihren Namen hat sie gewählt, weil sie sich auf die Anfänge des Christentums beruft. Die ökumenischen Glaubensbekenntnisse und die dogmatischen Entscheidungen der alten, ungeteilten Kirche des ersten Jahrtausends sind verbindlich. Ihre Wurzeln sind also sehr alt – alt-katholisch eben.
  • Die altkatholische Kirche entstand als Protestbewegung gegen das Unfehlbarkeitsdogma des Papstes, das beim Ersten Vatikanischen Konzil (1869–70) verkündet wurde. Diese Entscheidung konnten einige Kritiker nicht mittragen, da sie sie nicht im Einklang mit der Bibel und der Tradition sahen. Sie wurden daraufhin exkommuniziert und somit von allen kirchlichen Sakramenten ausgeschlossen. Darauf reagierten sie mit der Gründung eigener Gemeinden.
  • In der alt-katholischen Kirche werden die sieben Sakramente ebenso wie die Realpräsenz und der Opfercharakter der Eucharistie anerkannt. Die Landessprache in Gottesdiensten wurde bereits im 19. Jahrhundert eingeführt. 1878 wurde der Zölibat (also die Ehelosigkeit) für Kleriker aufgehoben.
  • Strukturiert ist die altkatholische Kirche durch das dreifache Amt: Diakon, Priester und Bischof. Diese Weihen kann jede*r empfangen. Es kann also Diakon*innen, Priester*innen und Bischöf*innen geben.
  • Die altkatholische Kirche sieht sich von ihrem Ursprung her eins mit bischöflich verfassten Kirchen (insbesondere mit der Orthodoxie und der Anglikanischen Kirche). Sie erkennt den Papst nicht an, sondern hat als oberstes Organ die Internationale Altkatholische Bischofskonferenz, die sich als Gemeinschaft selbstständiger Kirchen versteht. Jede altkatholische Kirche ordnet also ihre Angelegenheiten entsprechend ihrer Bedürfnisse. Das entscheidende Organ ist die Synode des Bischofs mit allen Geistlichen und den gewählten Vertreter*innen der Gemeinden. Die Synode hat auch das Recht zur Wahl des Bischofs.
  • Das Katholische Bistum der Alt-Katholiken in Deutschland ist also eine selbstständige und staatskirchenrechtlich anerkannte katholische Kirche. Es ist außerdem Gründungsmitglied der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) und des Weltkirchenrates/Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK).
  • Altkatholische Gemeinden gibt es in ganz Deutschland – in unserer Nähe finden sich Gemeinden in: Mannheim, Heidelberg, Landau, Kaiserslautern und Dittelsheim-Heßloch.

Die Mitgliederzahl des altkatholischen Bistums betrug zum 31. Dezember 2021 14.923 Personen.

Wenn Sie mehr wissen möchten, können Sie sich hier über die altkatholische Kirche in Deutschland informieren: https://www.alt-katholisch.de/unser-glaube/alt-katholisch-in-30-sekunden/
 

Sonja Haub
Bildungsreferentin der KEB Pfalz