2022 – Jubiläumsjahr zu Ehren der Hl. Edith Stein

Jüdin – Philosophin – Ordensfrau – Heilige – Patronin Europas. Edith Stein gilt als eine der bedeutendsten Gestalten des 20. Jahrhunderts. Geboren 1891 als Jüdin, entfernte sie sich bald von ihrer Tradition und ihrem Glauben und studierte als bekennende Atheistin Philosophie, Psychologie, Germanistik sowie Geschichte. Ihr Studium schloss sie mit einer Promotion bei Edmund Husserl zum Thema „Zum Problem der Einfühlung“ ab und arbeitete als seine Assistentin. Ihre vier Habilitationsversuche wurden allesamt zurückgewiesen – nicht etwa wegen mangelnden Talents, sondern weil sie eine Frau war.

Durch die Lektüre der Autobiographie Teresas von Ávila begegnete sie dem christlichen Glauben, der sie nicht mehr losließ. Am 1. Januar 1922, vor 100 Jahren, ließ sie sich in Bad Bergzabern taufen. Dass an diesem Tag das Fest „Beschneidung des Herrn“ lag, das Jesus klar als Juden ausweist, war kein Zufall – Edith Stein versuchte immer wieder, ihre jüdischen Wurzeln mit ihrem christlichen Glauben zu verbinden.

Nach einer Zeit als Lehrerin am Lyzeum der Dominikanerinnen von St. Magdalena in Speyer und einer Tätigkeit als Dozentin in Münster, die mit der Machtübernahme Hitlers jäh endete, trat sie schließlich mit dem Ordensnamen „Teresia Benedicta vom Kreuz“ in den Kölner Karmel ein. Dort führte sie ihre philosophischen Studien weiter, bevor sie aufgrund der immer vehementer werdenden Judenverfolgung in den Karmel von Echt in den Niederlanden floh. 1942 wurde sie dort schließlich aufgesucht, verhaftet und gen Osten deportiert. Ihr letztes Lebenszeichen stammt aus Schifferstadt, wo sie einen Zettel mit Grüßen an die Dominikanerinnen in Speyer aus dem Zug warf.

Am 9. August 1942 wurde sie in Auschwitz ermordet. Das ist nun 80 Jahre her.

Edith Stein, die ihre geistige Haltung selbst auf die Formel „wer die Wahrheit sucht, der sucht Gott, ob es ihm klar ist oder nicht“ brachte, ist in vielerlei Hinsicht eine Grenzgängerin. Sie schlug eine Verbindung zwischen jüdischer und christlicher Existenz, zwischen Wissenschaft und Glaube, und behauptete sich immer wieder in der von Männern dominierten universitären Welt.

All das macht sie noch heute zu einer herausragenden Persönlichkeit und zu einem großen Vorbild, weshalb ihr im Jahr 2022 einige Veranstaltungen an unterschiedlichsten Orten des Bistums gewidmet sein sollen.

Eine Auflistung aller Veranstaltungen finden Sie nachfolgend. Sollten Sie selbst eine Veranstaltung planen, freuen wir uns, wenn wir davon erfahren (keb@bistum-speyer.de).

Übersicht der Veranstaltungen

  • Vortrag mit Dr. theol. habil. Tonke Dennebaum "Freiheit – Glaube – Gemeinschaft: Eine Einführung in das Leben und Denken Edith Steins"
    Samstag, 11. Juni 2022, 9:00 Uhr / 67434 Neustadt an der Weinstraße, Waldstraße 145, Kloster Neustadt / weitere Infos hier